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Brauche Inspiration

Brauche Inspiration

31. Jan 2019, 1:48:49

Hi Leute
Was macht ihr in eurer Freizeit , worauf freut ihr euch wenn die Arbeitsschicht zu Ende ist? Ich finde einfach keine Inspiration und Motivation weiter Texte zu schreiben. Anscheinend habe ich einen Burnout, wenigstens fühlt es sich so an. Was kann man da machen? Ich könnte mir gut vorstellen eine Reise zu machen, nicht normales wie ein Urlaub in einem Hotel. Das ist nichts für mich.. ich brauche etwas was mich durchschütteln wird. Habt ihr Ideen was ich machen kann?
LG

Re: Brauche Inspiration

27. Mär 2020, 10:45:26

Ja, liebe Frau “Collega in Apollone“, da wäre ich in zweifacher Hinsicht die richtige Adresse für Dich: ausgebildeter Psychotherapeut und erfolgloser Schriftsteller. :) In ersterer Funktion würde ich Dir in der Tat raten, professionelle Hilfe aufzusuchen, falls das ein ernsthaftes Problem für Dich sein sollte. Es hängt davon ab, ob Du lediglich einen Inspirationsmangel hast oder ob diese Antriebslosigkeit auch Deinen Brotberuf und Dein Privatleben maßgeblich betrifft, also ob wirklich ein erheblicher Leidenszustand vorliegt. Wenn Du willst, kann ich Dich in dieser Hinsicht (natürlich ohne JEDES FINANZIELLE INTERESSE!) beraten, das sollte man aber nicht hier im Forum sondern besser per Mail machen, schon wegen der Vertraulichkeit! (Du könntest Dir ja eine Phantasie-E-Mail-Adresse einrichten, um Deine Anonymität zu wahren.) Als Dichter (sog. “klassischer“ oder “ konventioneller“ Lyriker, der Gedichte mit Versmaß und Reim schreibt, was heutzutage keine Sau interessiert), der selbst an Depressionen leidet, habe ich leider eine schlechte Nachricht an Dich: Gegen Einfallslosigkeit ist leider kein Kraut gewachsen! Wenn Du das nur so nebenbei, quasi als Hobby, betreibst, ist das wohl nicht so tragisch. Fühlst Du Dich allerdings zur Poetin berufen (so wie ich mich selber zum Dichter berufen, ja geradezu gerufen fühle, da mich schon viele dazu “gerufen“ haben), müßte man zunächst die Frage klären, ob Du tatsächlich die entsprechende Begabung dazu hast. Bitte nicht böse sein, aber ich kenne so viele Leute, die sich als Künstler begreifen, aber keine sind; die allgemeine bildungsmäßige Situation ist leider in dieser dekadenten Zeit so fürchterlich am Boden, daß jeder glaubt, malen, schreiben, schauspielen oder musizieren zu können, weil er den Drang dazu verspürt. (Ein gewisser Herr Adorno hat nämlich den beschissensten Satz der Literaturwissenschaft gesagt: “‘Kunst‘ kommt nicht von ‘Können‘ sondern von ‘müssen!‘“ Nun, “müssen“ tun wir alle mal, das ist biologisch nicht zu vermeiden, aber “können“ können halt nur sehr wenige. Und was die anderen tun, das sollten sie besser vermeiden!) Du kannst mir gerne was schicken, ich kann Dir dann eine absolut ehrliche Antwort geben, es genügen ein paar Zeilen, ich kann das riechen, ob jemand was drauf hat oder nicht. Oder Du überprüfst es selbst: Schau Dir mal ein paar “Gedichte“ von “Deutschlands größtem Intellektuellen“, Hans Magnus Enzensberger, an! Und dann suche Dir im Internet einen Thomas Krüger, ZaunköniG (Dirk Strauch) oder Renate Golpon! Aber zurück zu Deiner Frage: Ich habe ein ganzes Jahr keine einzige Zeile geschrieben! Und es gab Zeiten, da schoß mir ein Sonett nach dem anderen ein. Das kann ich nicht selbst bestimmen, das kommt oder es kommt nicht. ICH BIN DIESBEZÜGLICH VÖLLIG MACHTLOS! Meine einzige Strategie gegen Einfallsmangel besteht darin, Menschen kennenzulernen und mich emotional auf sie einzulassen. Dann steigt die Chance, daß sich was tief in mir rührt. Und das kann dann zu einem Einfall führen. Ansonsten gilt die Regel: Input/Verarbeitung/Output. Den Input kannst Du bis zu einem gewissen Grade steuern, die Verarbeitung (im Unbewußten) kann Jahre dauern, der Output bleibt offen! Ich habe dreißig Jahre gelernt, gelesen, studiert, konnte alle Schiller-Balladen auswendig, und auch den Faust (I natürlich!). Aber wenn Du mich damals gefragt hättest, ob ich selber schreiben könne, hätte ich Dir den Vogel gezeigt. Und mit dreißig ist es auf einmal herausgesprungen, ich konnte es jahrelang nicht fassen, nur die Reaktion meiner Umwelt hat mich letztlich davon überzeugt, daß ich ein Dichter bin. Ich selbst wäre nie auf diese Idee gekommen. Ich habe keine Ahnung, wie alt Du bist. Aber das ist sicher nicht das Problem. Du hast jede Zeit der Welt, Du kannst und mußt auch gar nichts anderes machen als geduldig auf den Einfall zu warten! Weil Du ja Songtexte schreibst, empfehle ich Dir, jene Lieder, die Dich vom Text und der Musik her besonders ansprechen, immer und immer wieder anzuhören und auf den Klang der Worte zu achten. Lerne sie auswendig, singe sie mit, immer wieder. Das setzt sich dann tief in Deine Seele nieder und kann wirken. UND IRGENDWANN KOMMT DER OUTPUT, WENN DU, WIE GESAGT, WIRKLICH DIE KÜNSTLERISCHE BEGABUNG HAST! Und wenn nicht, ist das zwar heavy, aber man kann damit leben, glaube mir: ich wäre so gerne Blues-Gitarrist geworden, aber meine Begabung (und mein Fleiß) hat halt nicht ausgereicht. Ich würde so gerne erzählen, Romane schreiben, oder auch Theaterstücke, aber ich kann es einfach nicht! Mir fällt buchstäblich nichts ein, ich habe duzende Romane begonnen, aber nach spätestens vier oder fünf Seiten war Sense, da ist bei mir einfach nichts drin! In einem alten Wienerlied heißt es: “Wann der Herrgott net wüll, nutzt des gar nix!”

Also, wenn Du was mit meinem Geschwafel anfangen kannst, dann melde Dich bei mir! Andernfalls wünsche ich Dir alles Gute und Liebe. Michael

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