Ich hab ka Lust Songtext
von Georg Kreisler

Ich hab ka Lust Songtext

Hassen Sie es auch so, wenn man Ihnen was diktiert?
Oder wenn ein Trottel Ihren Namen buchstabiert?
Hält man Sie für einfach und bescheiden?
Und können Sie das, so wie ich, nicht leiden?

Kriegen Sie beim Zahnarzt jedesmal den gleichen Schreck
Denn sobald Sie sitzen, sind die Schmerzen spurlos weg?
Haben Sie eine Gattin und den Kummer gleich dazu?
Dann sagen Sie ihr, wie ich es tu:

„Ich hab ka Lust, mit dir in Urlaub zu gehen
Ich hab ka Lust, in deine Seele zu sehen
Denn in den Urlaub kriegst du mich nicht mit zehn Pferden
Und deine Seele kann mir ganz gestohlen werden

Ich hab ka Lust, dir dein Geschwätz zu verzeihn
Ich hab ka Lust, dein Schnuckiputzi zu sein
Und wenn du mit mir redest, mach es knapp
Und was noch besser wär, gewöhn's dir ab!“


Doch sollte Ihre Gattin sagen: „Ich schweig heut!“
Dann glauben Sie mir, sie tut das nicht aus Feigheit
Dann will sie irgend was von Ihnen kriegen
Und wird sich dann am Abend an Sie schmiegen

Sie küsst Sie auf die Stirne oder Glatze
Und streichelt Sie an dem und jenem Platze
Doch wenn sie Sie dann zieht an ihre Brust
Dann schreien Sie: „Nein! Ich hab ka Lust!“

Dieser Satz „Ich hab ka Lust!“ ist heut Ihr Privileg
Damit gehen Sie miesen Pflichten einfach aus dem Weg
Werden Sie bei der Arbeit immer müder?
Sagen S': „Ich hab ka Lust“, und legen S' sich nieder!

Oder beispielsweise, Ihr Finanzamt hält nicht still
Weil es Sie zum Steuerzahlen überreden will
Manchmal ist es hartnäckig und gibt und gibt ka Ruh
Dann sagen Sie dem Finanzamt: „Hören Sie zu!

Ich hab ka Lust! Ich hab jetzt grad nichts in bar
Ich hab ka Lust! Ich zahl im folgenden Jahr
Denn erstens kostet Zahlen Überwindung
Und zweitens hab ich folgende Begründung:

Ich hab ka Lust, ich geb das Geld nicht gern her
Ich hab ka Lust, und es verdient sich so schwer.“
Vielleicht sagt das Finanzamt gar, ich brauch nicht
Denn schließlich zahl ich anderen Leuten auch nicht

Doch sollte das Finanzamt einen schicken
Und einen Kuckuck auf den Perserteppich picken
Dann lassen Sie dem Jüngling sein Vergnügen
Denn vorläufig bleibt doch der Teppich liegen

Und kommt am nächsten Tage dann ein Wagen,
Um Ihren schönen Teppich fortzutragen
Dann sagen Sie ganz eisig und bewusst:
„Der Teppich bleibt! Ich hab ka Lust!“

Kennen Sie den Blau? Kennen Sie den Roth?
Beide hat der Schlag getroffen, beide sind sie tot
Kennen Sie den Schwarz? Kennen Sie den Grün?
Beide liegen krank im Bett und schwitzen Aspirin

Ich an Ihrer Stell tät mich genieren
Krank zu werden, könnt mir nicht passieren

Ich hab ka Lust, ich finde, Kranksein ist schlecht
Ich hab ka Lust, ich bleib gesund wie ein Hecht
Und wenn ein Doktor mir sagt, ich bin sehr krank
Dann schrei ich ihn nur an, und dann ist er krank

Ich hab ka Lust, ein Kranker wird mich verstehen
Ich hab ka Lust, zu mei'm Begräbnis zu gehen
Und wenn ich einen Schnupfen krieg, o Schreck
Dann sag ich nur: „Er ist nicht da!“, dann ist er weg

Doch sollte sich einmal in meinem Leben
Der Tod trotz alledem zu mir begeben
Und sagen: „Lieber Freund, sei nicht beklommen
Die Stunde schlägt, du mußt jetzt mit mir kommen.“

Dann sag ich: „No, es wird mir eine Freud' sein
Nur muss es wirklich ausgerechnet heut sein?“
Und ruft er dann: „Was zögerst du? Du musst!"
Dann sag ich: „Nein, ich hab ka Lust!“

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